Review IRON AUTUMN am 09.11.2007 im Hansa39
Hach, endlich Wochenende! Was gäbe es da Besseres, als ein Konzert zu besuchen, zumal das Freitag-Abend-Programm inner Glotze eh zu wünschen übrig lässt?!
Aber gibt's da auch was Anständiges auf die Löffel, bekannte Bands waren nicht auszumachen. Doch die Rettung nahte in Form von fünf Combos aus der
Umgebung, die sich zusammen fanden, um dem geneigten Publikum ihre Art der Wochenendunterhaltung zu präsentieren. Lob für diese Einsatzfreude schon mal an
dieser Stelle, auch weil das Event selbst organisiert war. Für den meines Erachtens sehr fairen Preis von zehn Euronen (das macht sage und schreibe zwei
Tacken pro Gruppe!!) konnte man doch auch ein reges Zuschauerinteresse erwarten, doch leider wurde diese Erwartung nicht erfüllt. Die Rede war von 45
zahlenden Gästen, was mich doch sehr verwunderte; es war doch sonst nirgends was geboten...
Nun, egal, wenden wir uns lieber dem Ablauf des Konzerts zu. Den Anfang machten die Jungs von Over Your Threshold, die ich schon im Vorprogramm von
Obscura & Co erleben durfte. Und wirkten sie damals noch recht verschüchtert, was die Bühnenpräsenz anging, durfte ich hier mit Befriedigung feststellen,
dass sich in Sachen Interaktion mit dem Publikum doch Einiges getan hat. Zwar waren sie personell durch den kurzfristigen Ausfall ihres Bassisten
geschwächt, machten dies aber durch ihre Spielfreude locker wieder wett. Gut, ein wenig war der fehlende Bass schon zu hören (oder eben nicht), aber der
Stimmung unter den leider nicht sonderlich zahlreichen Gästen tat das nicht wirklich Abbruch. Die Mischung aus Death und Thrash Metal war genau richtig, um
auf Betriebstemperatur zu kommen. Am Schluss der Show konnte sich Sänger Leo sogar dazu durchringen, mit dem Publikum ein wenig zu schäkern, wenn das so
weiter geht, wird noch ein richtiger Entertainer aus dem Jungen! Doch, ein recht feiner Beginn, der Lust auf mehr machte.
Als nächstes war Dead Alone an der Reihe. Doch die Umbaupause zog sich ganz schön in die Länge, ein kleiner Durchhänger seitens des Publikums war deswegen
zumindest Anfangs des Gigs wohl leider nicht zu vermeiden. Das war allerdings nicht weiter schlimm, denn die Performance der vier Miesbacher war dazu
angetan, schnell wieder in Konzertstimmung zu kommen. Düsterer, aber auch eine Ecke heavyer als der Opener gefiel mir die Mucke von Dead Alone ganz
ausgezeichnet. Vor allem Sänger Martin hat mich überrascht, habe ich doch nicht damit gerechnet, dass in diesem Kerl so ein mächtiges Organ steckt.
Lustigerweise wurden aber die ganzen Ansagen nicht vom Frontmann gemacht, sondern vom Bassisten Florian, der sich dabei als begnadeter Redner erwies.
Runde Sache, dieser Auftritt!
Nach den Miesbachern ging es weiter mit der Gruppe Sheephead. Waren die bisherigen Bands eher im traditionellen Schwermetall verankert (wenn man bei Death
oder Thrash überhaupt davon reden kann), überraschten mich die Pfaffenhofener durch ihren sehr modernen Sound. Starke Metalcore-Einflüsse brachten einen
frischen Wind ins Abendprogramm und wurden von der Zuhörerschaft dankend angenommen. Dazu kam noch recht viel Bewegung auf der Bühne, hauptsächlich von
Sänger Benjamin ausgehend. Bin ich auch nicht der uneingeschränkte Fan modernen Kreischgesangs, hat mich die Spielfreude und Energie des Fünfers voll
überzeugt. Ein Kontrastprogramm, das wirklich ankam!
Vorletzte Band des Abends war nun mit Reign Of Decay wieder eine eher traditionelle Band, die dem Publikum ihren leicht progressiven, sehr technisch
angehauchten Death Metal darbot. Und irgendwie ging dieser Auftritt ziemlich an mir vorbei. Ganz genau kann ich den Finger nicht drauflegen, aber irgend
etwas hat hier nicht gezündet. War's der doch recht komplizierte Death Metal, der sich meinem Zugriff entzog, war es die recht zurückhaltende
Bühnenperformance oder lag es doch an was anderem, aber leider hatte meine Stimmung hier doch einen deutlichen Durchhänger. Und anscheinend war ich nicht
der Einzige, dem es so ging, denn der Saal leerte sich doch deutlich. Das muss nicht mal die Schuld der Band gewesen sein, aber schade war's schon.
Denn so durfte der "Headliner" und Organisator Undead Funeral leider vor fast leerem Saal auftreten. Das war nun wirklich schade, denn die um einen
Gitarristen verstärkte Band hat sich den Arsch abgespielt, um das kaum noch vorhandene Publikum zu erfreuen. Der erfreulich altmodische Mix aus Black und
Thrash Metal hat aber auch so was von Spaß gemacht! Man hat der Band auch keinen Augenblick angemerkt, dass sie vor leerer Halle spielte, DAS nenne ich
mal Einsatzfreude, da können sich noch viele Bands die ein oder andere Scheibe abschneiden! Alleine die Tatsache, dass es zu drei(!) Zugaben reichte,
obwohl am Schluss nur noch drei(!!) Leute im Zuschauerraum anwesend waren, sagt schon alles. Meine Herren: Chapeau!
So gegen kurz nach ein Uhr war dann aber auch hier Schluss, wenigstens gab's dann kein Gedränge am Ausgang. Ganz feine Unterhaltung zum Spottpreis, was
will man mehr?
So, zum Schluss noch ein paar Worte in eigener Sache:
1. Ich bedanke mich bei ausdrücklich für die Einladung zu diesem netten Abend und möchte auch noch den Bandmitgliedern, die mich mit Setlisten und
Zusatzinformationen rund ums Konzert und die daran teilnehmenden Bands versorgt haben, meinen Dank aussprechen.
2. Bei der an diesem Abend gezeigten Spielfreude muss ich mir doch noch überlegen, ob der Bericht übers Massacre-Konzert nicht doch eine Ecke zu positiv
gehalten war, denn hier und heute war die Personaldecke im Zuschauerraum noch dünner als bei der so genannten Legende, was die Bands aber im Gegensatz zu
den Amerikanern nicht davon abgehalten hat, alles zu geben.
3. Was war denn mit der so genannten "Metal-Szene" in München los? Andauernd liegen mir irgend welche Leute mit ihrem Gejammer in den Ohren, dass es zu
wenig Konzerte gäbe, diese zu teuer wären, unter der Woche stattfänden (wo ja niemand Zeit hätte) und vieles mehr in der Richtung. Jetzt findet ein Konzert
schon mal an einem Freitag (an dem sonst eh nix los ist) statt, kostet pro Band zwei Euronen und bietet Unterhaltung vom Feinsten und was passiert? Keine
Sau kommt! Verstehe ich irgendwie nicht. Was war los? Hat euch Mami nicht gehen lassen? War das (zugegebenermaßen miese) Wetter eurer neuen Dauerwelle
abträglich? Oder hatte gar euer Strickclub "Heiße Nadel" die alljährliche Vorstandsversammlung? Hier hätte es mal die Chance gegeben, lokale Bands zu
unterstützen und niemand bekommt den Arsch hoch. Na gut, geht doch von mir aus zum nächsten Kapitallica-Gig und löhnt mit Anfahrt, Ticket, Merch und
Getränken 200 Tacken, aber kommt mir danach nicht jammernd an, dass ihr keine Kohle mehr für Konzerte habt. Schämen muss man sich...
Review by Hannes (www.heavyhardes.de)
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